Den Widerspruch austragen
Hegel liest die Stoa
20.10.2026 | 20 Uhr | Foyer
Der Abend führt die Spur der Stoa weiter: Diesmal liest Hegel mit. In der Phänomenologie des Geistes würdigt er die stoische Freiheit als große Entdeckung – im Denken bin ich frei, „wie auf dem Throne so in den Fesseln“. Man hört die Namen mit: Marc Aurel, der Kaiser; Epiktet, der Sklave – dieselbe Freiheit an beiden Enden der Welt. Genau darin aber liegt für Hegel auch ein Verdacht: Eine Freiheit, der Thron und Fessel einerlei sind – ändert sie irgendwo etwas? Ist sie die lebendige Freiheit selbst oder nur ihr Begriff?
Fragen dieser Art lassen sich nicht vortragen, und entschieden werden sie im Vortrag schon gar nicht. Sie wollen ausgetragen werden – miteinander, im Gespräch, wie es Sokrates begründete und Leonard Nelson methodisch fasste. So versteht sich auch dieser Abend: nicht dozierend, sondern im Vollzug des gemeinsamen Fragens – Schritt für Schritt, tastend, prüfend, ohne vorgegebene Lösung, mit der Freiheit, offen zu lassen, was offen bleiben muss. Einige Zeilen Hegels liegen dabei auf dem Tisch, um zur Hand zu sein, wenn das Gespräch nach ihnen greift; und wer den Stoa-Abend nicht miterlebt hat, ist ebenso willkommen – der Abend trägt sich selbst.
So wird der Abend zu einem Übungsraum: ein Ort, an dem der Widerspruch nicht beigelegt, sondern gemeinsam ausgetragen wird – zwischen der Einkehr bei sich und dem Anspruch der Welt. Nicht als Auskunft darüber, wer recht behält – sondern als Einladung, sich der Frage gemeinsam auszusetzen, was Freiheit ist, wenn sie mehr sein will als ein Gedanke.
